Geschichte des Gutshauses Wietzow


Gutshaus Wietzow, Denkmalwertbegründung vom 26.6.2002

Das Gutshaus in Wietzow entspricht nach § 2 (1) DSchG M-V vom 30.11.1993 in der Fassung vom 06.01.1998 den Kriterien für ein Einzeldenkmal und wurde folgerichtig in die Denkmalliste des Landkreises Demmin eingetragen. Das im Kern barocke und um 1865 im Geschmack der Zeit im neogotischen Stil umgebaute Gutshaus ist für die Geschichte von Wietzow und die Architektur der Gutshausbauten in Mecklenburg- Vorpommern ein wesentliches Zeugnis. Aus historischen und architektonischen Gründen besteht ein hohes öffentliches Interesse an dem Erhalt und der sinnvollen Nutzung des Gebäudes.

weiterlesen: Geschichte des Gutes, Lage und Baubeschreibung, Gutspark

Geschichte des Gutes:1.

Wietzow findet zum erstenmal in Lehnsbriefen von 1496 und 1498 Erwähnung. Herzog Bogislaw belehnt die Gebrüder Henning, Claus und Henneke die Perselyne, die auf Vietzow gesessen sind. 

1547 erteilte Herzog Philipp Ewald Blücher die Anwartschaft auf das Gut und Dorf Witzow. Aber noch 1602 bestätigte Herzog Philipp Julius dem Christoph Perselyne für sich und die Gebrüder Hans, Valentin und Joachim Perselyne ihre früheren Lehnsbriefe. Wann die Familie von Perseline oder Peseline ausgestorben und die Familie Blücher in das Lehn eingetreten sind, ist nicht nachgewiesen.  Wietzow wurde ein Nebengut von Daberkow, das in Besitz der Familie von Blücher war und zu dem auch Bartow, ein Teil von Pritzenow, und ursprünglich ein Teil des im Grimmer Kreise gelegenen Gutes Borgstedt und der Acker auf dem Treptowschen Stadtfelde gehörte.

1738 überließ Christian Ludwig von Blücher die genannten Güter den drei Gebrüdern von Linden. Nach 1776 kam Wietzow als Allodialgut an die Familie von Heyden-Linden, die dieses Gut zu dem Fideikommiß und Majorate Tützpatz schlug, von dem es aber 1838 wieder getrennt und an den Landschaftsrath Ludwig von Neetzow auf Kagenow, im Kreise Anklam, verkauft worden ist.  1865 erbte Maria von Neetzow Wietzow von ihrer Mutter und heiratete den Grafen Adolf Blücher mit dem sie auf Wietzow lebte. Ab 1900 soll das Gut vom Grafen Leberecht von Blücher bewirtschaftet worden sein, dann wurde Richard Wolf Besitzer, der das Gut 1929 an den Rittmeister Fritz von Schoeler, dieser wiederum 1935 an Wolf-Eginhard von Kruse-Neetzow weiterverkaufte. 
Nach der Enteignung 1945 wurde das Gut aufgesiedelt. Im Gutshaus befanden sich Wohnungen für sieben Familien, eine LPG-Küche und ein Konsum. Nach der Wende gelangte es in den Besitz des Vereins "Kulturlandschaft Tollensetal e.V.".

Lage und Baubeschreibung:

Das Gutshaus, ein im Kern barockes Gebäude, wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts im damals modernen Stil neogotisch überformt.
Es ist ein über einem Kellergeschoß errichtetes, zweigeschossiges, massives Gebäude mit Krüppelwalmdach. Das Dach war ursprünglich mit Schiefer gedeckt.2. An der südöstlichen Giebelseite schließen zwei in ihrer Höhe gestaffelte Gebäudeteile an, die mit hohen Zinnen und mit einer Eckbetonung abschließen.

Vor der um 1965/66 erfolgten Erneuerung mit Betonrauhputz war das Gutshaus mit einer Quaderung in Fugenschnittputz versehen, schwach profilierte Gesimse gliederten die Fassade in der Horizontale. Reste der originalen Fassung sind oberhalb der Haustür erhalten geblieben.
Im Zuge des Umbaues im 19. Jahrhundert wurde die Traufe des barocken Kernbaues angehoben, eine Art Attika ausgebildet und mit einem Deutschen Band verziert sowie die Gebäudeecken mit fünfseitigen Eckvorlagen verstärkt, die oberhalb des Daches als Türmchen mit einem hohen verzinkten Spitzhelm ausgebildet waren. 

Die Mittelachse der siebenachsigen Fassade faßte man durch fünfseitige Wandvorlagen ein und schloß sie mit einem Giebeldreieck ab, das im Dachbereich durch zwei ausgebaute Fenster flankiert wird, so dass eine risalitartige Mittenbetonung entstand. Die vier Wandvorlagen sind mit Aufsätzen (Kugeln und Obelisken) bekrönt. Der Eingangsbereich wird von zwei schmalen Fenstern mit Spitzbogenabschluß flankiert.  Die Fenster und die doppelflüglige Hauseingangstür mit einem Oberlicht in neogotischen Formen wurden erneuert. Ein windfangartiger Vorbau mit einem kleinen pfannengedeckten Dach wurde inzwischen abgetragen. Die Fenster waren zu DDR-Zeiten verkleinert worden, inzwischen sind die ursprünglichen Formate teilweise wiederhergestellt und die Fenster als achtgeteilte Sprossenfenster erneuert worden. Das Fenster in der Mittelachse unterhalb des Risalitgiebels war ursprünglich durch einen Segmentbogenabschluß schmückend hervorgehoben.

An der parkseitigen Fassade ist das Kellergeschoß als Souterrain ausgebaut und feldsteinsichtig. Die Achsenaufteilung ist wie an der hofseitigen Fassade.  Das Parkgelände fallt hinter dem Gutshaus stark ab, daher liegt vor dem Gartensaal eine Terrasse auf einem massiven altanartigen Unterbau, der aus gespaltenen Feldsteinen gemauert ist und der einen Kellerzugang hat. Von der Terrasse fuhrt eine Treppe mit einer halbbogenförmigen Substruktion, der gleichzeitig ein schmückender Charakter zukommt, in den Park.

Im Inneren ist die barocke Raumsituation mit der Diele und dem dahinterliegendem Gartensaal erhalten geblieben, außerdem einige wenige barocke Ausstattungsteile wie Türrahmen, Dielungen und Einbauschränke. Im Gartensaal und einigen anderen Räumen gibt es Parkettböden sowie Türen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, einige gehören ursprünglich nicht zum Haus, sondern wurden hier wiederverwendet. Die barocke Treppe ist nicht erhalten. Es erfolgte um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Einbau eines neuen offenen Treppenhauses. Im 20. Jahrhundert wurde das Dachgeschoß zu Wohnzwecken ausgebaut, Fenster und Türen sind erhalten. Der Keller wird über einen Mittelflur erschlossen, einige Räume sind kreuzgratgewölbt.

Gutspark:

Das Gutshaus in Wietzow liegt oberhalb von einem großen englischen Landschaftspark, der aufgrund seiner gartenhistorischen Bedeutung bereits zu DDR- Zeiten als Einzeldenkmal eingestuft worden war. Der weitläufige Park erstreckt sich am Hang des Tollensetals mit Blick über die Tollensewiesen und umfaßt neben einer Teichanlage einen bedeutenden dendrologischen Bestand mit einigen Besonderheiten. Einige der Bäume sind um 250 Jahre alt und gehören schon zum Vorgängerbau des heutigen Gutshauses.  Eine im Park gelegene ehemalige Gutskapelle ist dem Verfall preisgegeben.

Beatrix Dräger  

  1. Berghaus, Heinrich: Landbuch von Pommern und Rügen, II. Teilband , Berlin 1865, S. 138 und 139. Denkmalpflegerische Zielstellung, erarbeitet von "Kulturlandschaft Tollensetal e.V." in Wietzow.
  2. Bauckmeier, Jochen: Aktenvermerk vom Mai 1965. In: Objektakte Wietzow im Landesamt für Denkmalpflege: "Das Dach ist vorne mit Dachsteinen, hinten mit Schiefer gedeckt. Da die Holzkonstruktion durch Fäulnis und Käferfraß schadhaft ist, sind durch Setzungen erhebliche Leckstellen vorhanden."