Kleine Geschichte des Heilbades Hohenbüssow

von Olaf Spillner

Überliefert durch das Demminer Tageblatt aus den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entsprang plötzlich und unerwartet 1821 in Hohenbüssow eine Heilquelle. Im gleichen Bericht ist von der Umsiedlung der spannfähigen Hohenbüssower Bauern auf kargeres Land  am anderen Ufer der Tollense zu lesen.

Es steht fest, dass zu Trinitates 1821 diese Umsiedlung stattfand. So entstand westlich des Bauerndorfes Tellin die Siedlung Neu-Tellin (8 Bauern auf 4 Doppelhöfen). Während Tellin , damit berechtigterweise den neuen Namen Alt-Tellin annehmen musste  (früher durch einen Schreibfehler hatte es seinen ursprünglichen Namen Tollin verloren), waren die Auswirkungen für Hohenbüssow ganz anderer Art.

Hohenbüssow verlor nicht nur seine spannfähigen Bauern, sondern die gesamte Dorfstruktur wurde verändert. Im Hohenbüssower Bauerndorf standen die Wohnstallhäuser rings um einen See herum. Sie wurden im Rahmen der Regulierung sämtlich abgerissen, der See wurde bis auf den heute noch vorhandenen Dorfteich abgelassen. Eine moderne Gutsanlage entstand. Nur die Kirche blieb im Dorf und am Ende im Westen die Schmiede.

Dazwischen am Rande des ehemaligen Seegrundes wurde die neue Dorfstrasse angelegt, flankiert von Gutsarbeiterhäusern. Im Osten  des Dorfes wurden gewaltige Feldsteinscheunen errichtet aus den Großsteingräbern der Waldkante.

Das alles wurde ermöglicht durch die Steinschen Reformen. Zuständig dafür war hier der Freiherrn Carl v. Genzkow, gerade ansässig geworden auf Schloss Broock.

Das besondere am Gestaltungswillen dieses Freiherrn, war die Anlage eines Heilbades unmittelbar am Friedhof:

1822 entstand das Badehaus (die Gäste kamen von Schloss Broock) 1826 entstanden ein Gesellschafts- u. ein Fremdenhaus.1835 war Bad Hohenbüssow  auf preußischen Karten eingezeichnet. 1850 war die kurze Geschichte des Fremdenverkehrs schon zu Ende.

Die moderne Landwirtschaft expandierte. Bis 1989 standen 800 Großvieheinheiten in den maroden Ställen. Die Zone der verstärkten Geruchsbelästigung umschloss den Friedhof ebenso, wie das ehemalige Heilbadensemble. Im Dorf wohnten vor allem alte Leute.

Dann kam die Wende. Die Viehproduktion im ganzen Land wurde extrem minimiert. Nicht nur in den Industriegebieten wurde die Atemluft besser.

Auch Neubaubewohner erkannten die Lebensqualität alter Gutsdörfer. Junge Mütter kehrten der Stadt den Rücken und brachten ihre Kinder mit. Doch auch die schönste Landschaft hat nicht verhindert, dass die ersten Kinder inzwischen wieder in den Städten angekommen sind. Ihr Besuch  hier zu Hause ist der Beginn eines neuen Fremdenverkehrs.

Den auszubauen, für ein nachhaltiges Leben auf dem Lande, als Überlebensmöglichkeit neben der Agrarindustrie, das ist eine notwendige schöne Aufgabe.